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Baskische Sprache
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Die baskische Sprache â Eigenbezeichnung euskara [] (dialektal auch euskera, eskuara, Ăźskara) â wird im Baskenland (Euskal Herria), der spanisch-franzĂśsischen Grenzregion an der AtlantikkĂźste (Biskaya), von Ăźber 800.000 Menschen gesprochen, davon Ăźber 750.000 in Spanien.
Das Baskische ist nach dem Ăźberwiegenden Urteil der einschlägigen Forschung mit keiner anderen bekannten Sprache genetisch verwandt. Es wäre also eine isolierte Sprache, während alle anderen heutigen Sprachen Europas zu einer grĂśĂeren Sprachfamilie gehĂśren: entweder zu den indogermanischen, den uralischen, den Turksprachen oder â im Falle des Maltesischen â den semitischen Sprachen.
Die Bezeichnung âBaskenâ stammt vom Lateinischen vascones, einem Namen, der etymologisch mit der Wurzel eusk- in Zusammenhang steht und ursprĂźnglich auch fĂźr keltiberische Gruppen benutzt wurde. Die Eigenbezeichnung der Basken ist euskaldunak, abgeleitet vom Sprachnamen Euskara und bedeutet wĂśrtlich âdie Baskisch habenden Menschenâ im Sinne âdie Baskisch sprechenden Menschenâ. Die eine andere Sprache sprechenden Menschen heiĂen auf Baskisch erdaldunak (erdara bedeutet âvom Baskischen verschiedene Spracheâ).
Zur aktuellen Sprachpolitik im Baskenland siehe den Artikel Baskische Sprachpolitik.
Die baskische Grammatik kennzeichnet sich im Gegensatz zu den indogermanischen Sprachen durch agglutinierung und den Ergativ.
Contents
⢠Bezeichnungen
⢠Einordnung
⢠Ausblick
⢠Phonologie
⢠Wortschatz
⢠Sprachstruktur
⢠Lautsystem
⢠Wortstellungen
⢠Ergativsprache
⢠ZahlwÜrter
⢠Sprachbeispiel
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Lexika
⢠Sprachgeschichte
⢠Sonstiges
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Bezeichnungen
Es wird davon ausgegangen, dass die heutige Eigenbezeichnung der baskischen Sprache â euskara [eusĚşËkaÉža] â sich von den altbaskischen Wurzeln *enau(t)si (heutzutage esan, erran âsagenâ) und -(k)ara (heutzutage era, âWeiseâ) ableitet.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]
Die heutzutage in allen baskischen Gebieten verwendete Eigenbezeichnung ist euskara, aber in den baskischen Dialekten kommen auch folgende Eigenbezeichnungen vor: euskera (diese Bezeichnung ist am meisten im Spanischen verbreitet), euzkera, euskala, eskuara, eskuera, eskara, eskera, eskoara, euskiera, auskera, uskara, Ăźskara, oskara, uskera, uskaa, uska.cite-ref-5[5]
Die Dialekte des Baskischen werden euskalkiak genannt.
Das spanische Wort vasco âBaskeâ war anfänglich die Bezeichnung der Vaskonen â eines Volkes, das im heutigen Baskenland vor der Ankunft der RĂśmer lebte.cite-ref-6[6] Die Bezeichnung âBaskeâ leitet sich von dem altgriechischen Wort Îżá˝ÎąĎÎşĎνοĎ
Ď (ouaskĹnous) ab.cite-ref-trask-7-0[7]
Einordnung
Das Baskische ist die einzige Sprache im westlichen Europa, die nicht zur indogermanischen Sprachfamilie gehĂśrt, und die einzige isolierte Sprache des gesamten europäischen Kontinents. Schon dadurch nimmt sie eine auffällige Sonderrolle ein. Baskisch konnte sich im westlichen Pyrenäengebiet Spaniens (in den Autonomen Gemeinschaften Baskenland und Navarra) und Frankreichs (franzĂśsisches Baskenland) Ăźber Jahrtausende gegen verschiedene indogermanische Sprachen behaupten, darunter das Keltische, das Lateinische und die heutigen romanischen Sprachen. Es wird angenommen, dass das Baskische der letzte Ăźberlebende Vertreter einer alteuropäischen Sprachschicht ist, die vor dem Vordringen des Indogermanischen in weiten Teilen Westeuropas verbreitet war. Allerdings kann das Altbaskische oder Vaskonische â der antike Vorgänger der modernen Sprache â entgegen einer populären Auffassung kaum als eine Art alteuropäische Gemeinsprache angesehen werden, die vor der Indogermanisierung Ăźber ganz SĂźd-, West- und Mitteleuropa verbreitet gewesen sein soll. Sicherlich gab es in diesen umfangreichen Gebieten vorindogermanische Sprachen, von denen die eine oder andere mit dem Vorläufer des heutigen Baskischen verwandt gewesen sein mag. Trotzdem wird schon die Verwandtschaft zu den auf der iberischen Halbinsel vormals verbreiteten vorindogermanischen Sprachen Iberisch und SĂźdlusitanisch von den meisten Forschern angezweifelt.
Als eine frĂźhe Form des Baskischen kann in SĂźdfrankreich das aus der Antike belegte Aquitanische gelten, das nur durch etwa 500 Personen- und GĂśtternamen in auf Lateinisch geschriebenen Grab- und Weihinschriften Ăźberliefert ist. Sowohl das Namengut als auch die wenigen identifizierbaren morphologischen Partikeln weisen eine Verwandtschaft mit dem heutigen Baskischen auf (z. B. aquitanisch nesca âWassernympheâ, baskisch neska âMädchenâ; aquitanisch cison âMannâ, baskisch gizon âMensch, Mannâ; -en(n) aquitanische und baskische Genitivendung).
Ethnolinguistische Daten zum Baskischen
Sprecherzahlen, Sprachstatus
Das Baskische wird (Stand 2021) von etwa 809.000 Menschen vor allem in Nordspanien und SĂźdwestfrankreich gesprochen, davon Ăźber 750.000 in Spanien. Der Anteil der Baskischsprechenden variiert dabei von ca. 30 % (in der Autonomen Region Baskenland) bis 14 % (In Navarra). Weitere ca. 430.000 Personen gelten als vascohablantes pasivos.cite-ref-encuesta2021-1-1[1] Zuverlässige Sprecherzahlen fĂźr das Baskische auĂerhalb des Baskenlandes liegen nicht vor, aber rund 90.000 dĂźrften die Sprache in anderen Teilen Europas und Amerikas sprechen oder wenigstens verstehen, so dass die Gesamtzahl der Sprecher auf fast 900.000 geschätzt werden kann (EncyclopĂŚdia Britannica 1998 liefert hĂśhere Zahlen, Ethnologue 2006 â basierend auf Zählungen von 1991 â geht von insgesamt 650.000 Sprechern aus; der Zensus von 1994 ergab etwa 618.000 Muttersprachler; EUROSTAT, das statistische Jahrbuch der EU, gibt 1999 rund 690.000 Sprecher fĂźr Spanien an, fĂźr Frankreich rechnet das Instituto Cultural Vasco 1997 mit 56.000 Baskischsprechern Ăźber 15 Jahren).
Erwachsene Sprecher des Baskischen sind zwei- oder mehrsprachig und beherrschen die Nationalsprache ihres jeweiligen Landes. Im spanischen Baskenland (im engeren Sinne: Provinzen GuipĂşzcoa, Vizcaya und Ălava) besitzt das Baskische seit 1978 den Status einer regionalen Amtssprache (dazu ausfĂźhrlich der Artikel Baskische Sprachpolitik), in Navarra ist es seit 1986 kooffizielle Amtssprache in den Ăźberwiegend baskischsprachigen Gemeinden. In Frankreich hat auf dem gesamten Staatsgebiet alleine die franzĂśsische Sprache den Status einer offiziellen (Amts-)Sprache. Baskisch gilt wie alle anderen traditionell in den verschiedenen Landesteilen gesprochenen Sprachen als regionale Sprache Frankreichs und besitzt als solche (nicht spezifisch genannt) seit der Verfassungsänderung vom 23. Juli 2008 Verfassungsrang als (schĂźtzenswertes) Kulturgut (patrimoine de la France). Hieraus leitet sich (bisher) keinerlei konkreter Rechtsanspruch ab. Die franzĂśsische Sprachpolitik sieht nicht einmal eine offizielle Zählung der Sprecher vor. Baskische Verbände gehen teilweise von hĂśheren Sprecherzahlen aus â bis zu zwei Millionen â, dabei werden aber kompetente aktive Sprecher und passive Sprecher (Personen, die das Baskische bis zu einem gewissen Grade zwar verstehen, aber es nicht kompetent sprechen kĂśnnen) nicht unterschieden. In Spanien tragen heute etwa 4,5 Mio. Menschen einen baskischen Nachnamen.
Geografische Verteilung
Das Sprachgebiet liegt an der KĂźste im SĂźdosten des Golfs von Biskaya von Bilbao in Spanien bis Bayonne in Frankreich. Es hat eine Ost-West-Ausdehnung von Ăźber 150 km, eine Nord-SĂźd-Ausdehnung von weniger als 100 km und umfasst eine Fläche von etwa 10.000 km². In Spanien sind das die Provinzen GuipĂşzcoa, Teile von Vizcaya und Navarra, und der Nordteil von Ălava. Die Baskischsprecher konzentrieren sich vor allem in den hochindustrialisierten Regionen dieses Gebiets. Die hĂśchsten BevĂślkerungsanteile haben sie allerdings in ländlichen Gebirgstälern. Zahlreiche Sprecher des Baskischen leben auch in den GroĂstädten auĂerhalb des geschlossenen baskischen Sprachraums, insbesondere den Provinzhauptstädten Vitoria-Gasteiz und Pamplona/IruĂąa sowie in Madrid.
In Frankreich wird Baskisch vor allem im franzĂśsischen Teil des Baskenlandes, dem westlichen Teil des Departments PyrĂŠnĂŠes-Atlantiques mit den historischen baskischen Provinzen Labourd, Basse-Navarre und Soule gesprochen. An der KĂźste im Bereich der bevĂślkerungsreichen urbanen Zentren (Bayonne/Baiona, das seit dem 19. Jahrhundert mehrheitlich franzĂśsischsprachig ist und Biarritz) ist der Anteil der Baskischsprecher auch hier niedriger als im ländlichen Inneren. AuĂerhalb des Baskenlandes gibt es grĂśĂere Sprecherzahlen in den USA, den lateinamerikanischen Ländern, Australien, den Philippinen und in anderen Teilen Europas.
Dialekte, Euskara Batua
Die Sprachwissenschaft unterscheidet meist sieben Hauptdialekte des Baskischen (auf Baskisch euskalkiak genannt):
⢠in Spanien: die Dialekte von Bizkaia (Biskayisch, auch Vizcainisch), Gipuzkoa (Gipuzkoanisch), Araba (Ălava) (heute â ) und Nafarroa (Obernavarrisch)
⢠in Frankreich: die Dialekte von Lapurdi (Laburdinisch auch Labourdisch), Nafarroa Beherea (Niedernavarrisch) und Zuberoa (Suletinisch, auch Soulisch)
Diese Mundarten lassen sich aber noch einmal in mindestens 25 Subdialekte untergliedern. Die Dialekte werden nach den (ehemaligen) Provinzen eingeteilt. Die Dialektunterschiede sind nicht sehr groĂ, Nachbardialekte sind gegenseitig gut verständlich, am stärksten weicht der Ăśstlichste franzĂśsische Dialekt, der Dialekt von Zuberoa (Suletinisch), ab.
Drei Hauptgruppen unterscheidet man:
1. Biskayisch,
2. Gipuzcoanisch, Labourdisch und Obernavarresisch,
3. Niedernavarresisch und Soulisch.
Eine Aufteilung der baskischen Dialekte in drei separate Sprachen â spanisches Baskisch, Navarro-Labourdin und Souletin, wie sie Ethnologue vornimmt â entspricht trotz der starken Abweichung des suletinischen Dialekts nicht der wissenschaftlichen Literatur.
Aus dem zentralen Dialekt von Gipuzkoa und auf der Basis frĂźherer Standardisierungsprojekte hat die Baskische Akademie unter der Leitung von Koldo Mitxelena (LuĂs Michelena) seit 1968 einen Sprach- und Schriftstandard Euskara Batua (âGeeintes Baskischâ) geschaffen. Seit 1980 sind mehr als 80 % aller baskischen Publikationen â immerhin rund 5000 Titel â in dieser standardisierten Sprache erschienen, die sich langsam auch als gesprochene Hochsprache durchzusetzen beginnt. (Dazu weitere Details im Artikel Baskische Sprachpolitik.)
Geschichte der baskischen Sprache
Die Entwicklung des Baskischen
Zu Beginn unserer Zeitrechnung wurde das Baskische nachweislich nÜrdlich und sßdlich der Pyrenäen und in weiten Teilen Nordspaniens gesprochen. Nach der rÜmischen Herrschaft dehnte sich das Sprachgebiet weiter nach Sßdwesten bis in die Provinz Rioja Alta aus, ein Gebiet innerhalb der heutigen Provinz La Rioja. Die Üstlichsten baskischen Dialekte (Aquitanisch) wurden frßh von den romanischen Sprachen verdrängt. Im Mittelalter konnte sich das ländliche schriftlose Baskische nur schwer gegen die aufstrebenden romanischen Schrift- und Kultursprachen (z. B. Aragonesisch und Okzitanisch) behaupten. Im Sßden verlor das Baskische seit dem 10. Jahrhundert kontinuierlich gegen das weiter vordringende Kastilische bzw. Spanische an Boden.
Schriftliche Ăberlieferung
In der Nähe von Estella-Lizarra wurde 2021 ein Bronzeamulett in Form einer stilisierten Hand (die Hand von Irulegi) aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gefunden, das fĂźnf WĂśrter mit insgesamt 40 Zeichen in nordostiberischer Schrift enthielt. Ein Wort konnte als sorioneku gelesen werden (modernes Baskisch: zorioneko, eine Deklinationsform von âgutes Omenâ). Damit wurde die Vermutung, dass die baskische Sprache zur damaligen Zeit schriftlos gewesen sei, widerlegt.cite-ref-8[8]
Lateinische Inschriften meist aus dem heutigen SĂźdwestfrankreich bewahren einige eindeutig baskische Personennamen oder GĂśtternamen (Leherenno deo âder erste Gottâ). Seit 1000 n. Chr. bleiben baskische Eigennamen, aber auch baskische Formeln und kurze Sätze häufiger erhalten. Das erste Buch in baskischer Sprache wurde 1545 gedruckt (Linguae Vasconum Primitiae). Es wurde von Jean (dâ) Etxepare (Echepare), einem Priester aus Niedernavarra, verfasst und enthält eine Reihe volkstĂźmlicher Gedichte. Dieses Buch war der Beginn einer ununterbrochenen, aber nicht besonders umfangreichen literarischen Ăberlieferung, die vor allem religiĂśse Titel aufweist. Die âBaskische Wiedererweckungs- oder Renaissancebewegungâ (Euskal pizkundea, 1887â1936) unternahm erste konkrete Schritte zur Vereinheitlichung der Schriftsprache auf Basis des Zentraldialekts von Gipuzkoa.
In den Jahren 2005 und 2006 wurden in Iruùa-Veleia (Provinz von Alava) baskische Inschriften gefunden, die auf das 4. Jahrhundert datiert wurden, d. h. auf die Zeit der Christianisierung der Basken. Ihre Echtheit war umstritten,cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] wurde aber von den Findern verteidigt.cite-ref-11[11] Ein Gericht in Vitoria-Gasteiz verurteilte den die Ausgrabung leitenden Archäologen im Jahr 2020 wegen Fälschung zu einer Gefängnisstrafe.cite-ref-12[12]
BĂźrgerkrieg und Franco-Zeit
VorĂźbergehend erlangte das Baskische 1936 nach der Annahme des Baskischen Autonomiestatuts während der Zweiten Spanischen Republik den Status einer Amtssprache fĂźr das spanische Baskenland. Nach dem Sieg der Aufständischen im âKrieg im Nordenâ verlor es diesen Status wieder (1937). In der anschlieĂenden Franco-Diktatur (1939â1975) wurde der Gebrauch des Baskischen im gesamten Ăśffentlichen Bereich verboten, was die Sprecherzahlen im Laufe jener Jahre stark absinken lieĂ. Erst seit 1975 wurden die Einschränkungen etwas gelockert, so dass auch Schulen mit Baskisch als Unterrichtssprache (ikastolak) und Baskischkurse fĂźr Erwachsene eingerichtet werden konnten. Diese Institutionen, die sich bald im gesamten Baskenland ausbreiteten, machten die Schaffung einer einheitlichen baskischen Schriftsprache immer dringender.
Standardisierung, regionale Amtssprache
Die Etablierung des gemeinsamen Schrift- und Sprachstandards Euskara Batua (âgeeintes Baskischâ) wurde durch die Rechtschreibung-Festlegung von Koldo Mitxelena 1968 entscheidend gefĂśrdert, sie ist aber nicht vollständig abgeschlossen. Die Demokratisierung Spaniens seit 1975 und insbesondere die Verfassung von 1978, die dem Baskischen den Status einer regionalen Amtssprache neben dem Spanischen in den Provinzen Bizkaia, Gipuzkoa, Ălava und Teilen von Navarra einräumte, schuf gĂźnstigere Voraussetzungen fĂźr die Stabilisierung und weitere Entwicklung der baskischen Sprache in Spanien.
Ausblick
Diese fĂśrderlichen politischen Umstände, die feste Verwurzelung des Baskischen in der baskischen BevĂślkerung und deren starkes ethnisches und sprachliches Bewusstsein tragen sicherlich zur längerfristigen Behauptung dieser auĂerordentlichen Sprache bei, obwohl sie weniger als eine Million Sprecher hat.
Herkunftstheorien
Der Nachweis einer genetischen Verwandtschaft des Baskischen mit anderen Sprachen ist schon aus folgenden GrĂźnden schwierig:
⢠GrĂśĂere schriftliche Zeugnisse liegen erst aus dem 15. bzw. 16. Jahrhundert vor, so dass ältere Sprachstufen nur schwer rekonstruiert werden kĂśnnen. Hier kann allerdings die alte baskische Toponymie (Ortsnamenkunde) helfen.
⢠Andere altiberische Sprachen sind nur lĂźckenhaft bekannt. Man kann deswegen nicht entscheiden, ob die in geringer Zahl existierenden baskisch-altiberischen Wortgleichungen nicht vielleicht auf Entlehnung oder Sprachkontakt zurĂźckgehen (siehe âIberische Hypotheseâ).
Die bisher unter seriĂśsen Forschern meistverbreitete Hypothese besagt, dass das Baskische mit keiner anderen Sprache verwandt, also isoliert ist. Dennoch gab und gibt es auch zahlreiche Versuche, das Baskische mit anderen Sprachen und Sprachfamilien genetisch in Beziehung zu setzen. Offensichtlich bot die Isolation des Baskischen inmitten indogermanischer Sprachen dazu einen besonderen Anreiz. R. P. G. Rijk (1992) beschreibt das Ergebnis dieser BemĂźhungen lapidar: âTrotz all der Tinte, die auf seine genetische Verwandtschaft in den letzten hundert Jahren verwendet wurde, ist die Sache immer noch unklar.â
Iberische Hypothese
Wilhelm von Humboldt und später Hugo Schuchardt stellten im 19. Jahrhundert die Hypothese der Verwandtschaft des Baskischen mit dem Iberischen auf. Das Iberische â nicht zu verwechseln mit dem Keltiberischen, einer keltischen und somit indogermanischen Sprache â ist eine nicht-indogermanische Sprache des vor- und frĂźhrĂśmischen Spaniens (6. bis 1. Jahrhundert v. Chr.), die zunächst vereinzelt in griechischer, später in grĂśĂerem Umfang in einer eigenen â von den PhĂśniziern und Griechen beeinflussten â iberischen Schrift auf zahlreichen Inschriften und MĂźnzen in Spanien, auf den Balearen und in SĂźdfrankreich Ăźberliefert wurde. Obwohl die Entzifferung der iberischen Buchstaben-Silben-Schrift gelungen ist (M. G. Moreno 1922â24), sind die iberischen Texte kaum verständlich geworden. Insbesondere war â entgegen der ursprĂźnglichen Erwartung â das Baskische zu ihrem Verständnis bisher in keiner Weise hilfreich, was allein schon eine nähere Verwandtschaft dieser beiden Sprachen unwahrscheinlich macht. Dennoch wird von einigen Forschern die baskisch-iberische Hypothese nach wie vor vertreten, während die Mehrheit sie inzwischen ablehnt. Einige iberisch-baskische Wortgleichungen (z. B. mit baskisch bizkar âFelswandâ, argi âhell, Lichtâ, ilun âdunkelâ, iri/ili âStadtâ) sind auch durch den engen Kontakt des Altbaskischen mit dem Iberischen erklärbar.
Afrikanische Hypothese
Andere sehen eine Verbindung des Baskischen zu afrikanischen Sprachen. Genannt wurden die Berbersprachen, eine Untergruppe der afroasiatischen Sprachen, die Songhai-Sprachen, deren eigene Klassifikation jedoch umstritten ist, und die Gruppe der Mande-Sprachen, die zu den Niger-Kongo-Sprachen gehĂśren. Keine dieser Hypothesen konnte sich durchsetzen; sprachtypologisch sind sie äuĂerst fragwĂźrdig.
Kaukasische Hypothese
Die iberische Hypothese und die afrikanische Hypothese wurden bald durch die baskisch-kaukasische These verdrängt, die das Baskische mit den Kaukasus-Sprachen insgesamt oder einer Teilgruppe davon in Verbindung brachte. Unter den kaukasischen Sprachen versteht man die alteingesessenen Sprachen des Kaukasus, die weder indogermanisch noch turkisch noch semitisch sind. Der Kaukasologe Georgij A. Klimov setzte sich mit verschiedenen Autoren der baskisch-kaukasischen These kritisch auseinander und kommt zu einer vÜlligen Ablehnung.cite-ref-klimov1994-13-0[13]
Klimovs HauptgrĂźnde fĂźr die Ablehnung einer Verwandtschaft des Baskischen mit den kaukasischen Sprachen lauten:
⢠Die verschiedenen genetischen Einheiten des Kaukasischen (das in mindestens drei verschiedene Sprachfamilien zerfällt) werden beim Sprachvergleich nicht berßcksichtigt.
⢠Das Baskische wird nach Bedarf mit einzelnen der rund 40 modernen Kaukasussprachen verglichen, anstatt rekonstruierte kaukasische Protosprachen heranzuziehen.
⢠Lautgesetze zwischen dem Baskischen und kaukasischen Einheiten werden selten etabliert.
⢠Die Argumentation ist generell stark typologisch geprägt, wodurch sie keinerlei genetische Beweiskraft besitzt.
⢠Semantische Anachronismen werden herangezogen (zum Beispiel werden WÜrter der Eisenverarbeitung zum Vergleich benutzt, obwohl das Baskische und die Kaukasus-Sprachen sich vor mindestens 5000 Jahren getrennt haben mßssten; damals gab es keine Eisenverarbeitung).
⢠Indogermanische LehnwÜrter werden in den Vergleich einbezogen.
Klimovs Fazit: âDie baskisch-kaukasische These wird heutzutage nur noch von Journalisten oder von solchen Sprachforschern aufrechterhalten, die mit den Fakten des Baskischen oder der kaukasischen Sprachen nicht vertraut sind.âcite-ref-klimov1994-13-1[13]
Dene-Kaukasische Hypothese
â
Hauptartikel
:
Dene-Kaukasisch
Edward Sapir fĂźhrte 1915 die Bezeichnung Na-DenĂŠ-Sprachen ein. DarĂźber hinaus gibt es weitere Ansätze, die Na-DenĂŠ-Sprachfamilie mit den eurasischen Sprachen in Verbindung zu bringen, so mit dem Sinotibetischen und dem Jenisseischen. Aufgrund linguistischer Analysen wurde eine genetische Verwandtschaft verschiedener Sprachen in einer hypothetischen Makro-Sprachfamilie, dem Dene-Kaukasisch, vermutet. In dieser Sprachfamilie finden sich einige Sprachen aus Eurasien und Nordamerika. Wesentliche Mitglieder sind das Sinotibetische, die nordkaukasischen Sprachen und eben das Baskische. Nach Vitaly Shevoroshkin auch âDene-Sino-Caucasian Languagesâ.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]
Die neuesten Versuche zielen darauf ab, das Baskische als ein Glied einer hypothetischen europäisch-asiatisch-nordamerikanischen Makrofamilie, des sogenannten Dene-Kaukasischen, zu etablieren. Diese Makrofamilie geht im Kern auf Sergei Starostin 1984 zurßck, die Hinzunahme des Baskischen wurde unter anderen von Wjatscheslaw Tschirikba (* 1959) 1985 vorgeschlagen. Nach dieser These wäre das Baskische mit dem Nordkaukasischen, dem Sinotibetischen und den Na-DenÊ-Sprachen Nordamerikas verwandt.
Eurasische Hypothese
Der franzĂśsische Sprachwissenschaftler Michel Morvancite-ref-18[18] hat ein âeuro-sibirischesâ Substrat des Baskischen erwogen und sieht Parallelen mit sibirischen Sprachen und Kulturen, aber auch mit anderen vorindogermanischen Sprachen. Er versucht, eine eurasische Verwandtschaft zu beweisen (Etymologisches WĂśrterbuch, Online / Internet / Lexilogos).
Vaskonische Hypothese
â
Hauptartikel
:
Vaskonische Hypothese
Der MĂźnchner Linguist Theo Vennemanncite-ref-19[19] stellt die Hypothese auf, dass eine als Vaskonisch bezeichnete Vorläufersprache des Baskischen einst in weiten Teilen West- und Mitteleuropas verbreitet war. Nach seinen namen- (s. âOnomastikâ) und gewässerkundlichen (s. âHydronymieâ) Interpretationen sieht er Ăbereinstimmungen von Wortkernen vieler Fluss- und Ortsnamen in West- und Mitteleuropa mit baskischen WĂśrtern fĂźr Wasser, Fluss, Gewässer, Tal u. a. Viele Forscher, darunter auch Baskologen, haben diesen Ansatz verworfen, weil er kaum beweisbar sei.
Wechselbeziehungen zu Nachbarsprachen
Phonologie
Zwei benachbarte romanische Sprachen, nämlich Spanisch und noch stärker die sßdwestokzitanische Regionalsprache Gaskognisch, weisen eine Reduktion des lateinischen f zu h auf, das in der spanischen Hochsprache heute verstummt ist. Dieses Phänomen wird auf den Einfluss des Baskischen zurßckgefßhrt, zum Vergleich der spanische Ortsname Fuenterrabia, baskisch Hondarribia, hoch-aragonisch Ongotituero.
⢠lat. filia â franzĂśsisch fille, okzitanisch filha | spanisch hija, gaskognisch hilha âTochterâ
⢠lat. farina â frz. farine, okz. farina | span. harina, gask. harĂa âMehlâ
⢠lat. flos/flor- â frz. fleur, span./okz. flor | gask. hlor âBlumeâ
⢠lat. frigidus â span. frĂo, frz. froid, okz. freg, fred | gask. hred âkaltâ
⢠vulgärlateinisch calefare â frz. chauffer, katalanisch calfar, okz. caufar | gask. cauhar âheizenâ
Weitere wahrscheinliche EinflĂźsse sind die Unterscheidung zweier r-Laute im Baskischen wie im Spanischen und der prothetische Sprossvokal vor ursprĂźnglich anlautendem r.
⢠lat. rota â spanisch rueda, franzĂśsisch roue, okzitanisch ròda | baskisch errota, gaskognisch arroda âRadâ
Die gesamte Gascogne wird als ehemaliges baskisches Sprachgebiet angesehen, was sich schon aus dem Namen erschlieĂt (Vascones > Wascons > Gascons). In Spanien weist die Toponomie auf ein frĂźher weit ausgedehnteres Verbreitungsgebiet, z. B. Val dâAran (baskisch haran âTalâ).
Wortschatz
Die den Wortschatz betreffenden Forschungen zeigen, dass die ältesten WĂśrter auf einsilbigen Wurzeln beruhen und zweisilbige und mehrsilbige Wurzeln später im Lauf der Sprachentwicklung entstanden. Oft ist nicht klar, welche heutigen baskischen WĂśrter ErbwĂśrter sind und welche entlehnt wurden. Zu den ErbwĂśrtern zählen hĂśchstwahrscheinlich alle konjugierten Verben (z. B. ekarri âbringenâ, ibili âumhergehenâ, etorri âkommenâ usw.), die meisten WĂśrter fĂźr KĂśrperteile (esku âHandâ, begi âAugeâ, buru âKopfâ), die ZahlwĂśrter bis zu mila âTausendâ (mila ist ein romanisches Lehnwort), die WĂśrter fĂźr Verwandtschaftsbeziehungen (aita âVaterâ, osaba âOnkelâ) und die meisten Pronomen (gu âwirâ, hau âdiesâ, ezer ânichtsâ, nor? âwer?â, zerbait âetwasâ).cite-ref-20[20]
Lexikalische Entlehnung
Das Baskische hat nicht nur in seiner Morphologie, sondern auch in seinem Wortschatz eine augenfällige Eigenständigkeit bewahrt, trotz des mindestens 2500-jährigen Drucks der umgebenden indogermanischen Sprachen. Dennoch hat es im Laufe seiner Geschichte LehnwÜrter vor allem aus den lateinisch-romanischen Sprachen integriert. Einige Beispiele sind:cite-ref-ehhe-21-0[21]cite-ref-trask-22-0[22]
⢠aizkora âAxtâ â lat. asciola
⢠bake âFriedenâ â lat. pax, pacis
⢠dorre âTurmâ â span. torre â lat. turris
⢠eliza âKircheâ â lat. ecclesia
⢠errege âKĂśnigâ â lat. rex, regis
⢠liburu âBuchâ â lat. liber, vulgärlat. librum
⢠nazka âEkelâ â span./katalan. basca
⢠ohore âEhreâ â lat. (h)onore(m)
⢠zeru âHimmelâ â lat. caelum
Eine weitere wichtige Lehnwortschicht entstammt dem Keltischen, wobei aber viele Ableitungen unsicher sind. In der Forschung wird angemerkt, dass es weniger LehnwĂśrter aus dem Keltischen gibt, als man angesichts des jahrhundertelangen Kontakts der Sprachen erwarten kĂśnnte.cite-ref-23[23]cite-ref-trask-s49-24-0[24]
⢠adar âHornâ â kelt. adarcos (unsicher)cite-ref-trask-s49-24-1[24]
⢠hartz âBärâ â kelt. artoscite-ref-trask-s49-24-3[24]
⢠maite âgeliebtâ â kelt. matis âgutâ (unsicher)cite-ref-trask-s49-24-4[24]
⢠mando âMaultierâ â kelt. mandus âkleines Pferdâcite-ref-trask-s49-24-5[24]
⢠neska ,Mädchenâ â kelt. ner/nyrcite-ref-ehhe-21-2[21]
Obwohl das Baskische zahlreiche MĂśglichkeiten besitzt, durch Ableitungen neue WĂśrter zu bilden, finden heute die englischen und romanischen WĂśrter der modernen Technologie in groĂem Umfang als FremdwĂśrter Eingang ins Baskische. Umgekehrt wurden nur sehr wenige baskische WĂśrter in die umgebenden romanischen Sprachen entlehnt; allerdings haben baskische Familien- und Ortsnamen in Spanien und Lateinamerika weite Verbreitung gefunden (z. B. BolĂvar, EcheverrĂa und Guevara). MĂśgliche baskischstämmige LehnwĂśrter in romanischen Sprachen sind:
⢠span. becerro âeinjähriges Kalbâ, zu aspan. bezerro â bask. bet- âKuhâ (Wortbildungsform von behi) + -irru.
⢠span. bizarro âkĂźhn, lebendig, tapferâ â bask. bizar âBartâ.
⢠span. cencerro âKuhglockeâ â bask. zintzarri, zintzerri.
⢠port. esquerdo, span. izquierda, kat. esquerre âlinksâ, okz. esquèr(ra) âlinkâ â bask. ezkerra âLinkeâ, zu ezker âlinkâ gebildet.
⢠span. madroĂąo, arag. martuel, kat. maduixa âErdbeerbaumâ â bask. martotx âBrombeerstrauchâ, martuts ~ martuza âBrombeerâ.
⢠port. pestana, span. pestaĂąa, kat. pestanya âWimperâ â *pistanna â urbaskisch *pist-, woraus bask. pizta âAugenbutterâ und piztule âWimperâ.
⢠port. sarça, span. zarza âBrombeerstrauchâ, zu altspanisch çarça â altbaskisch çarzi (17. Jh.), wovon bask. sasi âDornbuschâ und sarri âGesträuch, Dickichtâ.
⢠port. veiga, span. vega âAue, fruchtbare Ebeneâ, zu altspanisch vayca â bask. ibai âFlussâ + -ko (Separativendung; Diminutivsuffix).
Baskischen WĂśrtern ähnelnde WĂśrter mit ähnlicher Bedeutung kĂśnnen in manchen Sprachen Eurasiens gefunden werden: baskisch ele âWortâ â wepsisch kel âSpracheâ, finnisch kieli âSpracheâ, mongolisch Ń
ŃĐť (hel) âSpracheâ; baskisch gutxi, guti âwenigâ â dravidisch guti âwenigâ; und andere.cite-ref-25[25]
Sprachstruktur
Das Baskische unterscheidet sich typologisch vĂśllig von den benachbarten romanischen und allen indogermanischen Sprachen: es besitzt eine Suffix-Deklination (wie agglutinierende Sprachen, z. B. die uralischen und turkischen Sprachen), kein grammatisches Geschlecht und ein äuĂerst formenreiches und kompliziertes Verbalsystem mit der Markierung von einer oder bis zu vier Personen in jeder finiten Verbalform (polypersonale Flexion). Die Markierung der Nominalflexion (Deklination) erfolgt am Ende einer Wortgruppe (Syntagma). Im Gegensatz zu den meisten indoeuropäischen Sprachen â die einem Nominativ-/Akkusativ-System gehorchen â ist das Baskische eine Absolutiv-/Ergativ-Sprache (s. u.).
Lautsystem
Alphabet
Das baskische Alphabet, welches auf dem lateinischen Alphabet basiert, zählt die folgenden 27 Buchstaben und 7 Digraphe:cite-ref-26[26]
| Buchstabe | Name | Aussprache nach IPA | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Buchstaben | Buchstaben | Buchstaben | Buchstaben |
| A, a | a | / a / | |
| B, b | be | / b /, [βĚ] | |
| C, c | ze | / s /, / k / | Wird nur in Fremd- bzw. LehnwĂśrtern benutzt. |
| Ă, ç | ze hautsia | / s / | Zählt nicht als eigener Buchstabe, sondern als Variante des C, und wird nur in Fremd- bzw. LehnwĂśrtern benutzt. |
| D, d | de | / dĚŞ /, [ðĚ] | |
| E, e | e | / e / | |
| F, f | efe | / f / | |
| G, g | ge | / ÉĄ /, [ÉŁĚ] | |
| H, h | hatxe | / ÉŚ / oder stumm | |
| I, i | i | / i /, / iĚ / | |
| J, j | jota | / j / | Dialektal auch ausgesprochen / Ę /, / É /, / dĘ /, / Ę /, / Ę / oder / Ď / |
| K, k | ka | / k / | |
| L, l | ele | / l / | |
| M, m | eme | / m / | |
| N, m | ene | / n / | |
| Ă, Ăą | eĂąe | / ɲ / | |
| O, o | o | / o / | |
| P, p | pe | / p / | |
| Q, q | ku | / k / | Wird nur in Fremd- bzw. LehnwĂśrtern benutzt. |
| R, r | erre | / r /, / Éž / | |
| S, s | ese | / sĚş / | |
| T, t | te | / tĚŞ / | |
| U, u | u | / u /, / uĚŻ / | |
| Ă, Ăź | Ăź | / y / | Dialektale Variante des U, wird nicht als eigener Buchstabe gezählt. |
| V, v | uve | / b /, [βĚ] | Wird nur in Fremd- bzw. LehnwĂśrtern benutzt. |
| W, w | uve bikoitza | / uĚŻ / | Wird nur in Fremd- bzw. LehnwĂśrtern benutzt. |
| X, x | ixa | / Ę / | |
| Y, y | i grekoa | / i /, / iĚ /, / j / | Wird nur in Fremd- bzw. LehnwĂśrtern benutzt. |
| Z, z | zeta | / sĚť / | |
| Digraphe | Digraphe | Digraphe | Digraphe |
| DD, dd | | / É / | |
| LL, ll | | / Ę / | |
| RR, rr | | / r / | |
| TS, ts | | / tÍĄsĚş / | |
| TT, tt | | / c / | |
| TX, tx | | / tÍĄĘ / | |
| TZ, tz | | / tÍĄsĚť / | |
Vokale
Das Vokalsystem ist dreistufig und unterscheidet keine Vokalquantitäten. Das Baskische hat fĂźnf Vokale und zehn Diphthonge. Die Vokale sind a [a], e [e], i [i], o [o] und u [u]. Dabei kĂśnnen e und i je nach Umgebung offener oder geschlossener ausgesprochen werden. Zusätzlich gibt es im suletinischen Dialekt den Laut Ăź [y]. Unter Linguisten ist strittig, ob er nur als Aussprachevariante des u zu betrachten ist oder als eigenständiges Phonem. Bei den Diphthongen unterscheidet man zwei Gruppen. Die abnehmenden Diphthonge beginnen mit einem offenen Vokal und enden mit einem geschlossenen: ai, ei, oi, au, eu. Bei den ansteigenden Diphthongen folgt auf einen geschlossenen Vokal ein offener: ia, ie, io, ua, ue. Die häufigste Vokalbuchstabenverbindung, das âaiâ, kennzeichnet oft nicht ein Diphthong, sondern das darin enthaltene i palatalisiert den nachfolgenden Konsonanten, Beispiel baina [baɲa].cite-ref-27[27]
Konsonanten
Besonderheiten im baskischen Konsonantensystem sind die beiden s-Laute und die fĂźnf Palatallaute.
Der Buchstabe z stellt ein stimmloses [s̝] dar, bei dem die Zungenspitze am unteren Zahnwall liegt, wie bei der deutschen, franzÜsischen oder englischen Aussprache des Buchstabens s. Bei dem baskischen mit s dargestellten Laut [s̺] liegt die Zungenspitze dagegen beim oberen Zahnwall, ähnlich wie bei der Aussprache des Lautes, der im europäischen Spanisch mit dem Buchstaben s dargestellt wird.
Zu den Palatallauten gehĂśren: stimmloses [c] (zwischen deutschem âzâ und âtschâ), geschrieben als tt oder -it-, dazu das stimmhafte [É] (zwischen âdsâ und âdjâ), geschrieben als dd oder -id-, das [ɲ] (zwischen deutschem ânâ und âjâ), geschrieben Ăą oder in, das [Ę] (zwischen deutschem âlâ und âjâ), geschrieben ll oder il, und das [Ę], im Baskischen mit dem Buchstaben x dargestellt. Die Aussprache ähnelt deutschem âschâ, schwankt jedoch zwischen ch und dsch.cite-ref-28[28]
| | labial | dental | apiko- alveol. | dorso- alveol. | postalv. | palatal | velar | glottal |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Okklusive stimmlos | â p â | â t â | tsĚş (ts) | tsĚť (tz) | â ʧ â (tx) | ( â c â ) (tt) | â k â | â |
| Okklusive stimmhaft | â b â | â d â | â | â | â | ( â É â ) (dd) | â g â | â |
| Frikative | ( â f â ) | â | sĚş (s) | sĚť (z) | â Ę â (x) | â | (j) | â h â |
| Nasale | â m â | â n â | â | â | â | ( â ɲ â ) (Ăą) | â | â |
| Vibranten | â | â | â | â r â (rr) | â | â | â | â |
| Taps / Flaps | â | â | â | â Éž â (r) | â | â | â | â |
| Laterale | â | â | â | â l â | â | â Ę â (ll) | â | â |
Die Laute sind in der IPA-Form angegeben, in Klammern dahinter die schriftlichen Realisierungen der baskischen Orthographie, falls sie von der IPA-Form abweichen.
Eingeklammerte Phoneme haben keinen vollständigen Phonemstatus, so tritt [f] nur in LehnwĂśrtern auf, [c] und [É] kommt besonders in Koseformen vor. Auch wenn [h] von vielen Sprechern an der Oberfläche nicht artikuliert wird, handelt es sich systematisch gesehen um ein Phonem des Baskischen.
Der Unterschied zwischen ts und tz ist phonemisch, wie das Beispielpaar
⢠atzo âgesternâ
⢠atso âeine alte Frauâ
belegt.
AuĂerdem ist der Unterschied zwischen r und rr, zwischen z und s phonemisch:
⢠ere âauchâ â erre âbrennen, rauchen, gebratenâ
⢠jaso âbekommenâ â jazo âgeschehen, passierenâ
Die Aussprache der stimmlosen Plosive ist stärker aspiriert als in den romanischen Sprachen.
Wortstellungen
Einige grundlegende Wortstellungen:cite-ref-29[29]
⢠erläuternder Genitiv â Nomen
⢠Nomen â zugehĂśriges Adjektiv
⢠Possessivpronomen â Nomen
⢠Nomen â Postposition
⢠Zahlwort â gezähltes Nomen
Ergativsprache
Das Baskische ist eine Ergativsprache, das heiĂt, es gibt fĂźr das Subjekt eines transitiven Verbums einen besonderen Fall, den Ergativ, während fĂźr das Subjekt intransitiver Verben der Absolutiv benutzt wird. Dieser Absolutiv dient gleichzeitig als direktes (Akkusativ-)Objekt transitiver Verben. Der Ergativ wird im Baskischen durch das Suffix /-(e)k/ gekennzeichnet, der Absolutiv bleibt unmarkiert, er stellt die Grundform des Nomens dar.cite-ref-30[30]
⢠Jon dator > âJohn kommtâ (intransitiv, Jon im Absolutiv)
⢠Jonek ardoa dakar > âJohn bringt Weinâ (ardo) (transitiv, Jon im Ergativ, ardo im Absolutiv)
⢠Oinak zerbitzatzen ducite-ref-31[31] eskua eta eskuak oina > âDer FuĂ (oina) bedient die Hand (eskua) und die Hand den FuĂâ.
Nominalmorphologie
Hier gibt es zwei Sichtweisen:
Transnumeral
Das Nomen besitzt in dieser Darstellung eine numerusfreie Grundform (Transnumeral), einen Singulativcite-ref-32[32] und eine Plural-Form. Im Absolutiv (siehe oben) lauten die Formen wie folgt:
| Numerus | Form | Ăbersetzung |
|---|---|---|
| Absolutiv Transnumeral | katu | Katze |
| Absolutiv Singulativ | katu- a | die Katze |
| Absolutiv Plural | katu- ak | die Katzen |
Bei der numerusfreien Grundform (Transnumeral) geht es darum, vom Numerus zu abstrahieren.
Definitheitssuffix
Manche Sprachwissenschaftler bevorzugen eine alternative Sicht. Sie bezeichnen die endungslose Form katu als âindefinitâ (durch kein Merkmal ausgezeichnet) und das Morphem -a als âDefinitheitssuffixâ, das bei jedweder Charakterisierung an die indefinite Form angehängt wird. Man sieht aber, dass das Baskischecite-ref-33[33] schon bei einer Einschränkung der Unbestimmtheit durch eine Teil-Charakterisierung (âspecific indefiniteâ.cite-ref-34[34]) eines Nomens ein solches Suffix vorschreibt, wie der Beispielsatz Garfield katua da (âGarfield ist eine (und zwar eine ganz bestimmte) Katzeâ) zeigt.cite-ref-35[35]
Kasusbildung
Das Baskische bildet die Kasus eines Nomens durch AnfĂźgen von Suffixen, die jedoch nicht unmittelbar auf das Nomen folgen mĂźssen, sondern immer an das letzte Element einer Nominalgruppe angefĂźgt werden.
Die Suffixe der Deklination sind in reiner Form bei den Eigennamen und transnumeralen Formen erhalten. Die Singularsuffixe werden durch AnfĂźgen des Markers /-a(-)/ gebildet, die Plurale meist durch Wegfall des suffixeinleitenden /-r-/. Ein Genus (grammatisches Geschlecht) kennt das Baskische nicht. Die folgende Tabelle gibt eine Ăbersicht Ăźber die regelmäĂige Deklination im Baskischen.
Die Fälle und ihre entsprechenden Suffixe:
| Kasus | Unbelebt | Unbelebt | Unbelebt | Belebt | Belebt | Belebt | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kasus | Transnumeral | Singular | Plural | Transnumeral | Singular | Plural | Bedeutung |
| Absolutiv | â | -a | -ak | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | (siehe oben) |
| Ergativ | -([r]e)k | -ak | -ek | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | (siehe oben) |
| Dativ | -(r)i | -ari | -ei | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | fĂźr |
| Genitiv | -(r)en | -aren | -en | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | possessiver Genitiv |
| Benefaktiv | -(r)rentzat | -arentzat | -entzat | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | zugunsten von |
| Komitativ | -(r)ekin | -arekin | -ekin | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | zusammen mit |
| Motivativ | -([r]e)ngatik | -a(ren)gatik | -engatik | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wegen |
| Instrumental | -(e)z, -(e)taz | -az | -ez | wie Unbelebt | wie Unbelebt | wie Unbelebt | mittels |
| Inessiv | -([r]e)tan -([r]e)n (bei Eigennamen) | -(e)an | -etan | -(r)engan -([r]en)gan (bei Eigennamen) | -a(ren)gan | -engan | in / bei |
| Allativ | -(e)tara -([r]e)ra (bei Eigennamen) | -(e)ra | -etara | -(r)engana -([r]en)gana (bei Eigennamen) | -a(ren)gana | -engana | nach / zu |
| Ablativ | -(e)tatik -([r]e)tik (bei Eigennamen) | -(e)tik | -etatik | -(r)engandik -([r]en)gandik (bei Eigennamen) | -a(ren)gandik | -engandik | von / durch |
| Direktiv | -([e]ta)rantz -([r]e)rantz (bei Eigennamen) | -(e)rantz | -etarantz | -([r]en)ganantz | -a(ren)ganantz | -enganantz | in Richtung |
| Terminativ | -([e]ta)taraino -([r]e)raino (bei Eigennamen) | -(e)raino | -etaraino | -(r)enganaino -([r]en)ganaino (bei Eigennamen) | -a(ren)ganaino | -enganaino | bis zu |
| Separativ | -(e)tako -([r]e)ko (bei Eigennamen) | -(e)ko | -etako | â | â | â | von / her |
| Prolativ | -tzat | â | â | -tzat | â | â | halten fĂźr / ansehen als |
| Partitiv | -(r)ik | â | â | -(r)ik | â | â | irgendeine / keine |
Die Deklination von Nomina, die auf einen Konsonanten auslauten, unterscheidet sich nur unwesentlich: das suffixeinleitende /-r/ entfällt bei den transnumeralen Formen, vor manchen Suffixen wird ein /-e-/ eingefßgt.
Personalpronomina
Die Deklination der Personalpronomina erfolgt nach demselben Schema:
| Kasus | ich | du | er/sie | wir | Sie | ihr | sie (Plural) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Absolutiv | ni | hi | hura | gu | zu | zuek | haiek |
| Ergativ | nik | hik | hark | guk | zuk | zuek | haiek |
| Dativ | niri | hiri | hari | guri | zuri | zuei | haiei |
| Genitiv | nire | hire | haren | gure | zure | zuen | haien |
| Benefaktiv | niretzat | hiretzat | harentzat | guretzat | zuretzat | zuentzat | haientzat |
| Komitativ | nirekin | hirekin | harekin | gurekin | zurekin | zuekin | haiekin |
| Instrumental | nitaz | hitaz | hartaz | gutaz | zutaz | zuetaz | haietaz |
Nominalphrasen
Die Kasusendungen werden in einer Nominalphrase aus mehreren Gliedern nur an das letzte Glied angehängt. Die vorangehenden Glieder werden nicht mitdekliniert. Attributive Adjektive stehen hinter dem zugehĂśrigen Substantiv, bat (âeinâ) hat die Funktion eines unbestimmten Artikels und steht am Ende der Nominalphrase.
| Baskisch | Deutsch |
|---|---|
| asto txuri bat | ein weiĂer (txuri) Esel (asto) |
| katu beltz batengatik | wegen einer schwarzen (beltz) Katze (katu) |
| etxe ederra | das schĂśne (eder) Haus (etxe) |
| gure ahuntz politak | unsere (gure) schĂśnen (polit) Ziegen (xahuntzx) |
| zahagi berrietan | in den neuen (berri) (Wein-)Schläuchen (zahagi) |
Wortbildung
Die Suffixe, mit denen neue WĂśrter gebildet werden
Die Suffixe -tasun, -pen, -keta, -tza und -era ermĂśglichen Substantivierungcite-ref-0-36-0[36]:
⢠sendo âstark, festâ â sendotasun âStärkeâ, alai âlustigâ â alaitasun âLustigkeitâ;
⢠itxaron âwarten, erwartenâ â itxaropen âHoffnungâ, itzuli âzurĂźckkommen, Ăźbersetzenâ â itzulpen âĂbersetzungâ;
⢠luze âlangâ â luzera âLängeâ, egon âsein, stehen, stehenbleibenâ â egoera âZustandâ, sortu âschaffen, machenâ â sorrera âSchĂśpfung, Entstehungâ;
⢠aztertu âforschen, analysierenâ â azterketa âForschung, Analyseâ;
⢠jakin âwissenâ â jakintza âWissen, Kenntnisâ, zaindu âbeschĂźtzen, pflegenâ â zaintza âSchutzâ.
Die Suffixe -(l)ari und -le bilden Namen nach Beruf und das Suffix -tzaile bildet Namen nach Tätigkeitcite-ref-0-36-1[36]:
⢠abestu âsingenâ â abeslari âSängerâ, guda âKriegâ â gudari âKriegerâ;
⢠irakatsi âlehren, unterrichtenâ â irakasle âLehrerâ, ikasi âlernen, studierenâ â ikasle âLerner, SchĂźlerâ;
⢠erabili âbenutzen, verwenden, gebrauchenâ â erabiltzaile âBenutzerâ, sortu âschaffen, machenâ â sortzaile âSchĂśpferâ.
Das Suffix -tsu (âvollâ) ermĂśglicht es, einige, besonders mit der Natur verbundene neue WĂśrter zu bildencite-ref-0-36-2[36]:
⢠haize âWindâ â haizetsu âwindigâ,
⢠euri âRegenâ â euritsu âregnerischâ,
⢠laino âNebelâ â lainotsu ânebligâ,
⢠zorion âGlĂźckâ â zoriontsu âglĂźcklichâ,
⢠mendi âBergâ â menditsu âgebirgigâ,
⢠ospe âRuhmâ â ospetsu âberĂźhmtâ,
⢠gogo âLustâ â gogotsu âgernâ.
Das Suffix -kor bedeutet eine Neigungcite-ref-0-36-3[36]:
⢠aldatu â(sich) verändertâ â aldakor âveränderlichâ,
⢠hosto âBlattâ, erori âfallenâ â hostoerorkor âlaubabwerfendâ.
Die meisten Verben haben die Suffixe -tu und -du; diese ermĂśglichen fast immer, ein Verb zu bildencite-ref-0-36-4[36]:
⢠lasai âruhigâ â lasaitu âberuhigenâ,
⢠geldi âunbeweglich, stehendâ â gelditu âunbeweglich machenâ,
⢠haserre âZorn, Wutâ â haserretu âsich ärgern, wĂźtend seinâ,
⢠erro âWurzelâ â errotu âverwurzlenâ.
-txo bildet Kosenamen:
⢠hanka âBeinâ â hankatxo âBeinchenâ.
Das Suffix -(t)ar wird verwendet, um Bewohner eines Landes oder einer Siedlung zu bezeichnen: Alemania âDeutschlandâ â alemaniar âDeutscherâ, Bilbo âBilbaoâ â bilbotar âBewohner von Bilbaoâ.
Das Suffix -gailu (-kailu) âGerätâ wird verwendet, um Geräte bedeutende WĂśrter zu bilden: hotz âkaltâ â hozkailu âKĂźhlschrankâ.
Das Suffix -(t)zale bedeutet âeine Person, die etwas gern tutâ: lagundu âhelfenâ â lagunzale âeine gern helfende Personâ, garbi âreinâ â garbizale âPuristâ.
Das Suffix -(eta)ko bildet KleidungsstĂźcksnamen und andere Nomina: oin âFuĂâ â oinetako âSchuhâ, euri âRegenâ â euritako âRegenschirmâ.
Die Verwandtschaft bedeutenden WĂśrter haben Ăźblicherweise das Suffix -ba: alaba âTochterâ, biloba âEnkel/Enkelinâ.
Zusammengesetzte WĂśrter
Viele baskische WĂśrter sind aus zwei einfacheren WĂśrtern zusammengesetztcite-ref-0-36-5[36]:
⢠hiztegi âWĂśrterbuchâ â hitz âWortâ + -tegi âStall, Gebäudeâ,
⢠eskubide âRechtâ â esku âHandâ + bide âWegâ,
⢠ahots âStimmeâ â aho âMundâ + ots âKlang, Lautâ,
⢠joan-etorri âAusflug, Reiseâ â joan âgehen, weggehenâ + etorri âkommenâ,
⢠eskuzabal âgroĂzĂźgigâ â esku âHandâ + zabal âbreitâ.
ZahlwĂśrter
Das Baskische zeigt ein klares Vigesimalsystem (Zwanziger-System), z. B. 40 = 2 à 20, 60 = 3 à 20, 80 = 4 à 20, 90 = 4 à 20 + 10. Ein Vigesimalsystem gibt es allerdings auch in anderen Sprachen Europas: in den kaukasischen Sprachen, in den keltischen Sprachen Bretonisch, Irisch, schottisches Gälisch (dort fakultativ) und Walisisch, im Dänischen sowie in Resten im FranzÜsischen (70=soixante-dix, 80=quatre-vingt, 90=quatre-vingt-dix).
| 1 | bat | 11 | hamaika | 30 | hogeita hamar |
|---|---|---|---|---|---|
| 2 | bi | 12 | hamabi | 40 | berrogei |
| 3 | hiru | 13 | hamahiru | 50 | berrogeita hamar |
| 4 | lau | 14 | hamalau | 60 | hirurogei |
| 5 | bost | 15 | hamabost | 70 | hirurogeita hamar |
| 6 | sei | 16 | hamasei | 80 | laurogei |
| 7 | zazpi | 17 | hamazazpi | 90 | laurogeita hamar |
| 8 | zortzi | 18 | hemezortzi | 100 | ehun |
| 9 | bederatzi | 19 | hemeretzi | | |
| 10 | hamar | 20 | hogei | | |
Verbalmorphologie
Während sich die Flexion des Nomens im Baskischen trotz der vielen Fälle recht Ăźbersichtlich gestaltet, ist die Verbalmorphologie geradezu berĂźchtigt fĂźr ihre auĂerordentlich vielfältige und komplizierte Formenbildung. Grammatiker des 18. Jahrhunderts zählten nicht weniger als 30.952 Formen eines einzigen Verbs. Das hat folgende Ursache: die Formen des finiten Verbs enthalten im Baskischen nicht nur einen Bezug auf die jeweilige Person des handelnden Subjekts (das ist der Normalfall etwa in indogermanischen Sprachen: ich lieb-e, du lieb-st, er lieb-t usw.), sondern zusätzlich auf die Person des direkten und des indirekten Objekts der Handlung und manchmal sogar noch die Person des Angesprochenen.
Hier einige Formen des Präsens vom Verb ukan âhabenâ (3sg = 3. Person Singular usw.):
| Baskisch | Ăbersetzung | Subjekt | direktes Objekt | indirektes Objekt |
|---|---|---|---|---|
| du | er/sie hat es | 3sg | 3sg | â |
| gaitu | er/sie hat uns | 3sg | 1pl | â |
| zaitugu | wir haben Sie | 1pl | 2sg | â |
| diot | ich habe es fĂźr ihn/sie | 1sg | 3sg | 3sg |
| dizut | ich habe es fĂźr Sie | 1sg | 3sg | 2sg |
| dizkizut | ich habe sie fĂźr Sie | 1sg | 3pl | 2sg |
| dizkigute | sie haben sie fĂźr uns | 3pl | 3pl | 1pl |
Man erkennt sofort, zu welcher FormenfĂźlle diese dreifache Markierung der Verbalformen fĂźhren muss. Eine Ăźbersichtliche Darstellung des Paradigmas mĂźsste dreidimensional sein.
Die einfache Konjugation
Das Baskische unterscheidet eine sog. âeinfache (oder synthetische)â Konjugation, bei der die Formen direkt vom Verb selbst gebildet werden (wie z. B. das deutsche Präsens âer liebtâ) und eine âzusammengesetzte (analytische oder periphrastische)â Konjugation mit Hilfsverben (wie z. B. das deutsche Perfekt âich habe geliebtâ).
Die sog. einfache Konjugation findet nur fĂźr eine kleine Gruppe häufig verwendeter Verben Anwendung. Einfach konjugiert werden die Verben izan âseinâ, ukan âhabenâ, egon âseinâ, etorri âkommenâ, joan â(zielgerichtet) gehenâ, ibili âumhergehenâ, eduki âhaben, haltenâ, jakin âwissenâ, esan âsagenâ. Im literarischen Baskischen werden noch einige weitere Verben einfach konjugiert, wie ekarri âbringenâ, erabili âbenutzenâ, eraman âtragenâ, etzan âliegenâ, iraun âdauernâ. Der Anteil der sog. einfachen Verben war in frĂźheren Sprachphasen grĂśĂer, Texte aus dem 16. Jahrhundert enthalten etwa fĂźnfzig. Heute werden sie als Mittel des gehobenen Stils verwendet. Alle anderen Verben werden periphrastisch (d. h. mit Hilfsverben) konjugiert. Die einfache Konjugation besitzt heute nur noch zwei Tempora â Präsens und Präteritum â und einen Imperativ.
Beispiel: Präsens vom Verbum ekarri âbringenâ mit einigen Varianten des Subjekts und direkten und indirekten Objekts (3sg = 3. Person Singular etc.):
| Baskisch | Ăbersetzung | Subjekt | direktes Objekt | indirektes Objekt |
|---|---|---|---|---|
| dakart | ich bringe es | 1sg | 3sg | â |
| dakarna | du (weiblich) bringst es | 2sg | 3sg | â |
| dakark | du (männlich) bringst es | 2sg | 3sg | â |
| dakar | er/sie bringt es | 3sg | 3sg | â |
| dakarte | sie bringen es | 3pl | 3sg | â |
| dakartza | er/sie bringt sie | 3sg | 3pl | â |
| nakar | er/sie bringt mich | 3sg | 1sg | â |
| hakar | er/sie bringt dich | 3sg | 2sg | â |
| dakarkiote | sie bringen es zu ihm/ihr | 3pl | 3sg | 3sg |
| dakarzkiote | sie bringen sie zu ihm/ihr | 3pl | 3pl | 3sg |
Ein vollständiges Schema des Präsens des häufig benutzten Hilfsverbs ukan âhabenâ mit festem direktem Objekt in der 3. Sg. âesâ und variablem Dativ-Objekt zeigt folgende Tabelle:
| Subjekt | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts | Person des indirekten Objekts |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| | ohne | 1sg (mir) | 2sg (dir weiblich) | 2sg (dir männlich) | 3sg (ihm/ihr) | 1pl (uns) | 2sg (Ihnen) | 2pl (euch) | 3pl (ihnen) |
| 1sg (ich) | dut | â | dinat | diat | diot | â | dizut | dizuet | diet |
| 2sg (du weiblich) | dun | didan | â | â | dion | digun | â | â | dien |
| 2sg (du männlich) | duk | didak | â | â | diok | diguk | â | â | diek |
| 3sg (er/sie) | du | dit | din | dik | dio | digu | dizu | dizue | die |
| 1pl (wir) | dugu | â | dinagu | diagu | diogu | â | dizugu | dizuegu | diegu |
| 2sg (Sie) | duzu | didazu | â | â | diozu | diguzu | â | â | diezu |
| 2pl (ihr) | duzue | didazue | â | â | diozue | diguzue | â | â | diezue |
| 3pl (sie) | dute | didate | dinate | diate | diote | digute | dizute | dizuete | diete |
Zum Beispiel heiĂt diguzue âihr habt es fĂźr unsâ (Subjekt 2.pl., indirektes Objekt 1.pl., direktes Objekt 3.sg. âesâ). Die entsprechenden Formen fĂźr ein direktes Objekt in der 3. Pers. Plural werden bei den Formen mit Dativbezug durch Einschub von /-zki-/ hinter der ersten Silbe /di-/ erzeugt, z. B. dizkiot âich habe sie (pl.) fĂźr ihn/sie (sg.)â, aber diot âich habe es fĂźr ihn/sie (sg.)â.
Man erkennt, dass reflexive Formen (z. B. âich habe michâ) in diesem Schema nicht existieren. Sie mĂźssen durch Umschreibungen gebildet werden.
Die zusammengesetzte Konjugation
Die Formen der zusammengesetzten oder periphrastischen Konjugation, nach der alle anderen, nicht-einfachen Verben konjugiert werden, werden von einer der Stammformen des Verbums zusammen mit einer Form der Hilfsverben izan, ukan, edin oder ezan gebildet. Stammformen sind der Stamm des Verbums selbst, das Partizip Perfekt, das Partizip Futur und das Gerundium (eigentlich ein Verbalnomen im Inessiv). Dabei werden ukan und ezan bei transitiven, izan und edin bei intransitiven Verben verwendet. Auf weitere Details soll hier verzichtet werden (siehe Literaturangabe).
Sprachbeispiel
Als Sprachbeispiel sei Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte genannt:
âGizon-emakume guztiak aske jaiotzen dira, duintasun eta eskubide berberak dituztela; eta ezaguera eta kontzientzia dutenez gero, elkarren artean senide legez jokatu beharra dute.â
âAlle Menschen sind frei und gleich an WĂźrde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der BrĂźderlichkeit begegnen.â
â
Siehe auch
Literatur
Lexika
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⢠Martin LÜpelmann: Etymologisches WÜrterbuch der baskischen Sprache. Dialekte von Labourd, Nieder-Navarra und La Soule. 2 Bände. de Gruyter, Berlin 1968.
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Sprachgeschichte
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⢠Robert Lawrence Trask: The History of Basque. Routledge, London / New York 1997, ISBN 0-415-13116-2.
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⢠R. W. Thornton: Basque Parallels to Greenbergâs Eurasiatic. In: Mother Tongue. Journal of the Association for the Study of Language in Prehistory. Gloucester MA 2002. ISSN 1087-0326
⢠Michel Morvan: Les origines linguistiques du basque. Bordeaux, 1996, ISBN 978-2-86781-182-1.
⢠R. L. Trask: Basque and Dene-Caucasian: A critique from the Basque side. In: Mother Tongue 1 (1995), SS. 3â82. ISSN 1087-0326 (Mit umfangreicher und kompetenter Diskussion des Themas.)
⢠R. L. Trask: Comments on Bengtson's Basque-Caucasian Comparisons. In: Mother Tongue 5 (1999), SS. 71â85.
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⢠Kausen, Ernst: Die Sprachfamilien der Welt. Teil 1: Europa und Asien. Buske, Hamburg 2013, ISBN 978-3-87548-655-1. (Kapitel 5)
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Weblinks
Commons
: Baskische Sprache
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Ernst Kausen: Die baskische Sprache. (MS Word; 80 kB) GieĂen 2001 (der Aufsatz ist die Basis fĂźr diesen Artikel)
⢠(CNRS) Baskische Sprachakademie
⢠Archive ARTXIKER Artxiboa: Archive de la Recherche pour la Langue basque et les Langues typologiquement proches
⢠Dictionnaire Freelang â WĂśrterbuch baskischâfranzĂśsisch/franzĂśsischâbaskisch
⢠Morris Student Plus Hiztegia â WĂśrterbuch baskisch-englisch/englisch-baskisch
⢠Euskonews â Geschichte des letzten Sprechers des Roncal-Dialekts (spanisch)
⢠Muturzikin: Cartes linguistiques du Pays Basque. 2007; abgerufen am 11. Februar 2018 (franzÜsisch).
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Einzelnachweise
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cite-note-1717. â Gerhard Jäger: Wie die Bioinformatik hilft, Sprachgeschichte zu rekonstruieren. Universität TĂźbingen Swedish Collegium for Advanced Study, Seminar fĂźr Sprachwissenschaft (sfs.uni-tuebingen.de auf sfs.uni-tuebingen.de) hier S. 12.
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cite-note-3333. â Im Gegensatz zu indoeuropäischen Sprachen wie Schwedisch
cite-note-3434. â David Crystal: A Dictionary of Language and Linguistics. 6th ed., Blackwell 2008, p.444.
cite-note-3535. â Mit dem Satz nicht gemeint ist die gänzlich indefinite Aussage âGarfield ist eine (und zwar eine x-beliebige!) Katzeâ (etwa *Garfield katu da).
cite-note-0-3636. â Elhuyar Fundazioa: Elhuyar hiztegia. Abgerufen am 26. November 2025 (englisch).